Chronik
Geschichte des Turnvereins 1913 Zeilhard e. V.
Die zum 75-jährigen Jubiläumsfest entstandene Chronik wurde noch einmal
überarbeitet. Gestützt auf Protokolle, Überlieferungen älterer
Mitglieder und durch aufopferungsvolle Arbeit unseres Ehrenvorsitzenden
Ludwig Stork (Protokollbücher gesichtet und "übersetzt") ist
diese Vereinschronik die Erste, die komplett alle Ereignisse erfasst.
Im Herbst 1913 (man wollte wohl den Georgenhäusern nicht nachstehen, diese hatten kurz zuvor
den TV Georgenhausen gegründet) wurde der Turnverein Zeilhard von Lehrer
Bohn, Anton Göckel, Georg Göckel, Heinrich Heleine, Wilhelm Riedel und
Ludwig Ramge gegründet. Unter Vorsitz von Anton Göckel wollte man
körperliche "Ertüchtigung" in einem organisierten Verein
betreiben. Das Gasthaus "Zur Eisenbahn" (heutige Dorfschänke)
wurde zum Vereinslokal. In seinem Saal fand fast vierzig Jahre lang der
Turnbetrieb statt.
Die Jahre 1914 bis 1921
Durch Ausbruch und
die Folgen des 1. Weltkrieges fand ein Vereinsturnen nur sporadisch statt.
Mussten die jungen Männer zuerst in den Krieg ziehen, so kamen sie
überhaupt nicht oder schwer verletzt zurück. Man hatte weiß Gott andere
Sorgen als sich sportlich fit zu halten.
Die Jahre 1922 bis 1929
Den Zeilhardern
ging es allmählich besser und man hatte wieder Lust auf Sport. Da der
Verein über keine finanziellen Mittel verfügte, waren natürlich auch
keine Turngeräte vorhanden. Not macht erfinderisch. Die Verantwortlichen
beschlossen eine Ortstammlung durchzuführen. Dadurch konnte man, als
erstes Sportgerät überhaupt, einen Barren für 256.- Reichsmark
anschaffen. Dies war für damalige Verhältnisse ein stolzer Preis.
Der
Gründungsvorsitzende Anton Göckel war 1926 zurückgetreten. Eine
außerordentliche Mitgliederversammlung wählte Wilhelm Riedel zu seinem
Nachfolger.
Leider wurde das
kurzfristige Hoch wiederum von politischen Einflüssen jäh gebremst. Nur
noch wenige Männer besuchten die Übungsabende und man überlegte 1929
den Verein beim Gau abzumelden. Die Vereinsaktivitäten sollten so lange
ruhen bis eine Besserung eintreten würde.
Die Jahre
1930 bis 1950
Diese Abmeldung
wurde nicht durchgeführt, wie Siegerlisten bei Turnfesten aus den Jahren
1930 - 1936 belegen. Die etwa 35 Turner hielten ihrem Verein die Treue.
Der 2. Weltkrieg
brachte wiederum eine Mobilmachung und den Kriegsdienst. Die wenig jungen
Männer schlossen sich als Abteilung Zeilhard dem TV Georgenhausen an und
spielten vorwiegend Fußball. Das Vereinsleben kam fast zum Erliegen. Der
TV Zeilhard wurde in diesen Jahren weder verboten noch aufgelöst. Es
fanden eben einfach keine Übungsstunden statt.
Wiederaufnahme
des Turnbetriebs
Am 10.1.1953 fand
eine Versammlung unter der Initiative von Ludwig Ramge, Heinrich Sachs,
Konrad Deltau und Georg Göckel zur Wiederaufnahme des öffentlichen
Turnbetriebes statt.
Durch das
Engagement des neuen Vorsitzenden Heinrich Sachs wurde der Verein bald zu
einem beliebten Treffpunkt der Zeilharder Anwohner. Trainingseifer münzte
man schnell in sportliche Erfolge um. Die steigende Mitgliederzahl weckte
sehr rasch den Wunsch nach einer eigenen Turnhalle. Bereits im Herbst 1953
liefen erste Planungen zum Standort. Die neue Halle sollte auf dem
Gelände des Vereinslokals errichtet werden. Die Hartnäckigkeit des
Wirtes, er konnte diesem Vorhaben keine guten Seiten abgewinnen, zwang den
Vorstand zum Umdenken. Vorsitzender Heinrich Sachs stellte daraufhin sein
Gelände für 1.- DM pro m² (zum damaligen Zeitpunkt weit unter Wert) zur
Verfügung.
1954 begannen die
Mitglieder fast ohne Vereinsmittel mit dem Bau ihrer Turnhalle. Durch
zahllose Arbeitsstunden verbunden mit privaten finanziellen Opfern
leisteten sie mit Mut und Idealismus großartiges für den TV. 1959 konnte
die "Turnhalle" eingeweiht werden. Sie hat bis heute eine
übergreifende Funktion. So halten neben dem sportlichem Angebot unseres
Vereins andere ortsansässige Vereine und die Hirschbachschule
Veranstaltungen ab.
Die 60er
Jahre
Das Amt des
Vorsitzenden übernahm das Gründungsmitglied Ludwig Ramge. Der Verein
wuchs stetig. Das Sportangebot umfasste nun Turnen, Leichtathletik,
Läufergruppe und das aus der Versehrtensportgruppe aufgegriffene
Turnspiel Prellball.
Waren anfangs die
Leichtathleten das Aushängeschild des Vereins, so wurden dies Ende der
60er die Prellballer. Großartige Platzierungen machten den Verein im
ganzen Bundesgebiet bekannt. Das
Heinrich-Sachs-Gedächtnis-Prellballturnier wurde zum jährlichen
Höhepunkt im Vereinsleben.
1968 wurde Ludwig
Stork zum neuen Vorsitzenden gewählt. Durch sein unermüdliches Wirken
sollten die 70er zu den sportlich Erfolgreichsten werden.
Die 70er
Jahre
Die Prellballsparte
konnte 1972 mit dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft ihren wohl
größten Erfolg feiern. Überhaupt lief jetzt ohne Prellballer wenig.
Durch aktive Vorstandsarbeit förderten sie das Vereinsleben.
Durch den rapiden
Einwohnerzuwachs nahm die Mitgliederzahl stetig zu. Der Wunsch nach
weiteren Abteilungen wurde laut. 1971 gründete man deshalb die
Frauengymnastik, 1972 den Jedermannsport, 1975 Mutter mit Kind - Turnen
und 1976 Volleyball
Eine erste bauliche
Veränderung wurde ab 1977 vorgenommen. Die dringend benötigten Duschen
Umkleide- und Tagungsräume wurden in Angriff genommen. Die Toiletten
wurden modernisiert. Auch dieses Projekt musste im wesentlichen in
Eigenleistung erbaut werden.
Leider durchlebte
die Vorstandsarbeit ab 1974 ein Tief (Ludwig Stork stand als Vorsitzender
nicht mehr zur Verfügung). Mehrere Vorsitzende (Walter Franke, Leonhard
Ziergöbel, Kurt Göckel, Rainer Scheel) übernahmen Verantwortung in
dieser schwierigen Zeit.
Die 80er
Jahre
Sie wurden von dem
neuen Vorsitzenden Volker Hein geprägt. Durch sein Engagement konnte die
Hallenerweiterung im Jahre 1983 endlich abgeschlossen werden. Weitere
Abteilungen wurden gegründet: 1982 Jazztanz, 1983 Leichtathletik, 1984
Wanderabteilung, 1987 Turnen ab 50, 1989 Koronarsport, 1989
Lauftreff-Triathlon
Im Jubiläumsjahr
1983 schenkte die Stadt Reinheim dem Turnverein einen langgewünschten
Übungsplatz. Unsere Turnhalle platzte aus allen Nähten. Man half sich
mit regelrechten Jonglierakten. Zum einen belegte man Hallenzeiten in der
Mehrzweckhalle Spachbrücken und der Cestas-Halle, zum anderen sollte eine
weitere bauliche Ergänzung erfolgten. Im Jahr 1986 wurde mit dem Ausbau
der angrenzenden alten Scheune begonnen. Landkreis und Stadt halfen mit
finanzieller Unterstützung. Doch auch diese Halle wäre durch die
aufopferungsvolle Initiative der Mitglieder nicht verwirklicht worden. Nun
gehört auch diese zum Alltag des Turnbetriebes. Und wieder stehen wir vor
dem Problem von weiteren Hallenzeiten und besseren Trainingsbedingungen.
Ausklang
Aero-Fitness wurde als jüngste Sparte 1992 gegründet und ist im Moment die mitgliedsstärkste Abteilung.
Zum Aushängeschild
wurden in jüngster Zeit die Triathleten. Sie machten unseren Verein zu
einem festen Begriff in dieser Sportart. So qualifizierten sich Mitglieder
des TV für den Ironman in Hawaii, der inoffiziellen Weltmeisterschaft.
Durch neue Ideen der Abteilung machten sie den Zeilharder Stadtlauf zum
Spektakel für Läufer und Publikum.
Der Turnverein 1913
Zeilhard e. V. hat heute 800 Mitglieder. Er betrachtet sich als
Solidargemeinschaft von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren
und nimmt auch weiterhin eine überaus wichtige Funktion in unserer
Gesellschaft ein. An erster Stelle steht natürlich der Sport, doch die
vielen Veranstaltungen (Kinderfasching, Jazzfrühschoppen,
Touristik-Triathlon, Beteiligung am Fest der Vereine, Stadtlauf,
Kinderfest, Vereinsabend und Kinderweihnachtsfeier) machen den Turnverein
zu einer festen Größe im Stadtgebiet.
Um dies zu erhalten
bedarf es weiterhin Idealisten und der Unterstützung aller Mitglieder und
Freunde des TV 1913 Zeilhard e. V.
Thomas Heinz
Stand:2001